Über mir

 

 

 

kippt die Welt
Ich bin noch nicht fertig mit dir
doch du mit mir schon lange
Die Musik spielt keine Rolle mehr
Ich habe sie abgewickelt
Und doch kommst du nicht
zurück
aber leise spielst du
auch in deinen Träumen
mit meinem Haar
wir haben es geschafft
solange
Fischblasen
nebeneinander zu treiben
und nun ist alles
davon

Brief Q

 

 

 

Lieber,
wie im wahren Leben habe ich dir nichts zu sagen, was hier in einen solchen offenen Brief gehören würde. Ich werde darüber nachdenken, wie ich das Projekt fortsetzen werde. Ich habe dir so viele Dinge zu erzählen, die keinen etwas angehen. Doch mit dir direkt darf ich nicht mehr kommunizieren. Das steigert auf den erste Blick vielleicht die Spannung, aber wenn die Entwicklungen ausbleiben, fürchte ich, dass ich eine weitere Blogleiche erschaffen habe. Wir werden sehen.
Brütend
A

Brieflein P

 

 

Lieber,

das erste Mal in all der Zeit bin ich bitterbös mit dir. All der Hass und all die Wut und nun auch die Eifersucht beginnen sich erdrutschartig Platz zu suchen. Sovieles musste sterben. Warum fühle ich es erst jetzt nach all den Jahren? Schockstarre. Viele würden deren Lösung als Fortschritt betrachten, doch für mich ist es, Überraschung, eine weitere persönliche Hölle. Wie kann man so jung schon so bitter sein in unseren „Breitengraden“?

Den Gedanken unerträglich findend, dass du so bitterbös warst, gar bist, mit mir

A

Brieflein O

 

 

Lieber,

in meiner Schwäche habe ich nur böse Worte für dich. Also schweige ich. Du kennst das.

Jeglichen Großmutes beraubt

A

Sendepause

 

 

Lieber,

mich hat die Bronchitis dahin gerafft. Ich melde mich, wenn das Fieber wieder runter ist.

Auf bald

A

Antwort F#4

 

 

 

A,
warum solltet ihr euch geirrt haben? Bloß weil ihr füreinander nicht mehr schön seid, heißt das nicht, dass ihr generell an Schönheit verloren habt. Altern macht müde, das gebe ich zu. Aber gibt es was Schöneres, als gemeinsam müde im Bett zu liegen? Oh warte, das hilft dir nicht. Was hilft dir dann? Nimm seine Gleichgültigkeit doch einfach als Glücksfall. Du bist frei von ihm, frei von seinen Bedürfnissen, frei von seinen Zielen. Du kannst dich einfach auf dich konzentrieren. Du siehst, ich bin ob deiner Verzweiflung etwas ratlos. Ich denke, sie ist nicht nötig. Vielleicht kannst du, in einem privaten Text, einfach mal ergründen, warum du in Wahrheit so verletzt bist. Und: Glaubst du nicht auch, dass du ihn genauso tief verletzt haben könntest mit deinen, ja, ich weiß, nur emotionalen Eskapaden?
Glaub mir eines: Der Schmerz bereichert euch, bloß nicht mehr gemeinsam.
F

Briefchen N

 

 

 

Lieber,
wusstest du, dass ich neue Linien auf den Handflächen habe? Was glaubst du, hat das zu bedeuten? Dass ich einfach alt und faltig werde? Oder dass mein Schicksal sich verändert? Ich dachte immer, wie alle jungen Menschen, ich würde schön altern. Innen und außen. Aber jetzt, da der Prozess unumkehrbar begonnen hat, bin ich mir da nicht mehr so sicher. Dass du schön altern wirst, steht außerhalb jeden Zweifels. Du gehörst zu den Männern, die immer schöner werden. Außen. Wie es um dein Inneres bestellt ist, wage ich nicht zu spekulieren. Was ich kannte, war das beste, was mir je begegnet ist. Doch am Ende dann. Dir geht’s mit mir ja ähnlich, nehme ich an.
Nicht glauben wollend, dass wir uns beide so geirrt haben
A

Deformation

 

 

Wenn die Liebe nicht mehr schön ist,
dann, weil sie nicht mehr geliebt wird.
Die Übelkeit des Kämpfens
liegt sauer auf meinen Lippen.
Mein Husten schleudert dir
gebrochene Worte entgegen.
Der Ekel ist unabdingbar in dein
Gesicht gefräst.
Wenn der Körper nicht mehr schön ist,
dann, weil du ihn nicht mehr liebst.

Brief M

 

 

Hey,
ganz unförmlich heute, fast wie früher. Ich wollte dir bloß sagen, dass du immer zu meiner Familie zählen wirst. Egal, was kommt und egal, was du getan hast. Wenn du irgendwann mal Hilfe brauchst, melde dich einfach und wir finden eine Lösung, ohne dass ich dir dein Leben wegnehme, ohne dass du dich bestohlen fühlst, ohne dass ich Ansprüche an dich haben werde. Denn glaub mir, Ansprüche an Menschen habe ich wirklich nicht mehr. Nur noch Hoffnungen, dass wir einander nicht weh tun, dass wir gut miteinander auskommen, weil wir bereit sind, die Beziehung, sei es auf Arbeit, sei es auf dem Spielplatz, aktiv zu gestalten. Meine Deformation bezüglich dessen hat viel mit dir zu tun. Ohne dich hätte ich nicht gelernt, dass selbst der zugewandteste Mensch, mit all seinen Versprechungen ewiger Liebe, sich mit Herzenskälte abwenden kann, wenn man nicht so funktioniert, wie es gewünscht ist. Liebe ist nicht bedingungslos. Ich lebte diesen Traum und er tat gut für eine Weile. Doch irgendwann musste ich aufwachen. Und das habe ich getan.
Ich will mich wirklich nicht mit IB vergleichen, aber die Trennung von MF hat sie nie verwunden. Unter anderem weil er ihre Beziehung so vehement für seine Texte ausgenutzt hat. Tue ich das gleiche? Noch nicht. Ich habe deinen Charakter noch nicht schwungvoll genug gezeichnet. Die Leser wissen im Grunde gar nichts über dich. Außer, dass du mich unter ominösen Umständen ziemlich im Stich gelassen hast. Weißt du warum sie nichts wissen? Weil ich uns beschütze. Nicht „uns“. Das gibt es nicht mehr. Aber ich beschütze dich und ich beschütze dich. Kam jetzt automatisch aus meiner digitalen Feder. Ein Tippfehler natürlich, da ich mich genauso schütze. Wir waren immer sehr privat. Ich hoffe, dass ich das eines Tages über Bord werfen kann. Dann fange ich an, dich und mich zu zeichnen. Das sollte Potential haben. Und keine Sorge, ich mische dich mit all den anderen traumahaften Männern, denen ich begegnen durfte (es muss an mir liegen, dass immer alles im Desaster endet, sprach die Opferrolle). Ich nehme nur das Beste und das Schlimmste von dir und vermenge es mit all den anderen, so dass du dich nicht entblößt fühlen solltest. Wünschst du mir das auch? Dass ich doch noch richtig schreiben lerne und sei es, ich übte an dir? Du hast mal gesagt: „Du trägst das in dir!“. Du hast mich immer unterstützt, so gut du eben konntest, solange du konntest. Unterstütztest du mein Schreiben jetzt auch? Ich frage dich, doch du liest mich ja nicht mehr, also muss ich selbst entscheiden.
Wieder an Tiefe gewinnend
A