Briefchen R

 

 

Ich habe von dir geträumt. Wir waren wieder verliebt. Überall sprossen Blumen, es glitzerte und Meerjungfrauen schwammen um uns herum in einem Park. Ich kann nicht behaupten, dass ich dich noch sonderlich vermisse, wenn ich wach bin. Ich habe mich an deine Abwesenheit gewöhnt. Doch im Schlaf zerfetzt es mich immer wieder. Werde ich je wieder so lieben, wie einst? Werde ich je wieder an Blumen riechen und mich in eine Achselhöhle kuscheln, als wäre sie mein letzter Schlafplatz auf Erden? So viele Jahre hat es funktioniert, bis alle Blütenblätter gezupft waren und wir auseinander gehen mussten (Sanduhr, die keiner mehr herumdrehen wollte). So viele Tage und Nächte haben wir einander gehalten und nun kein einziges Wort mehr. Meine Füße laufen über Nagelbretter. Ich bin noch nicht immun gegen den Schmerz.

 

kraftvoll

 

 

Du in einer Vergangenheit von vielen.

Ich will an dich nicht denken.

Auf unserer Düne stehe ich.

Die Erinnerungen wie ein Gewitter in der Ferne.

Irgendwo, irgendwann machtvoll und blitzend und nässend:

Doch hier nur noch eine Beunruhigung.

frühstück

nach jahrelanger abstinenz
wollen die finger wieder
küssen
wollen die lippen wieder
streicheln
wollen die augen wieder
kitzeln
will ich wieder
süße tropfen lassen

Über mir

 

 

 

kippt die Welt
Ich bin noch nicht fertig mit dir
doch du mit mir schon lange
Die Musik spielt keine Rolle mehr
Ich habe sie abgewickelt
Und doch kommst du nicht
zurück
aber leise spielst du
auch in deinen Träumen
mit meinem Haar
wir haben es geschafft
solange
Fischblasen
nebeneinander zu treiben
und nun ist alles
davon

Brief Q

 

 

 

Lieber,
wie im wahren Leben habe ich dir nichts zu sagen, was hier in einen solchen offenen Brief gehören würde. Ich werde darüber nachdenken, wie ich das Projekt fortsetzen werde. Ich habe dir so viele Dinge zu erzählen, die keinen etwas angehen. Doch mit dir direkt darf ich nicht mehr kommunizieren. Das steigert auf den erste Blick vielleicht die Spannung, aber wenn die Entwicklungen ausbleiben, fürchte ich, dass ich eine weitere Blogleiche erschaffen habe. Wir werden sehen.
Brütend
A

Brieflein P

 

 

Lieber,

das erste Mal in all der Zeit bin ich bitterbös mit dir. All der Hass und all die Wut und nun auch die Eifersucht beginnen sich erdrutschartig Platz zu suchen. Sovieles musste sterben. Warum fühle ich es erst jetzt nach all den Jahren? Schockstarre. Viele würden deren Lösung als Fortschritt betrachten, doch für mich ist es, Überraschung, eine weitere persönliche Hölle. Wie kann man so jung schon so bitter sein in unseren „Breitengraden“?

Den Gedanken unerträglich findend, dass du so bitterbös warst, gar bist, mit mir

A

Brieflein O

 

 

Lieber,

in meiner Schwäche habe ich nur böse Worte für dich. Also schweige ich. Du kennst das.

Jeglichen Großmutes beraubt

A

Sendepause

 

 

Lieber,

mich hat die Bronchitis dahin gerafft. Ich melde mich, wenn das Fieber wieder runter ist.

Auf bald

A

Antwort F#4

 

 

 

A,
warum solltet ihr euch geirrt haben? Bloß weil ihr füreinander nicht mehr schön seid, heißt das nicht, dass ihr generell an Schönheit verloren habt. Altern macht müde, das gebe ich zu. Aber gibt es was Schöneres, als gemeinsam müde im Bett zu liegen? Oh warte, das hilft dir nicht. Was hilft dir dann? Nimm seine Gleichgültigkeit doch einfach als Glücksfall. Du bist frei von ihm, frei von seinen Bedürfnissen, frei von seinen Zielen. Du kannst dich einfach auf dich konzentrieren. Du siehst, ich bin ob deiner Verzweiflung etwas ratlos. Ich denke, sie ist nicht nötig. Vielleicht kannst du, in einem privaten Text, einfach mal ergründen, warum du in Wahrheit so verletzt bist. Und: Glaubst du nicht auch, dass du ihn genauso tief verletzt haben könntest mit deinen, ja, ich weiß, nur emotionalen Eskapaden?
Glaub mir eines: Der Schmerz bereichert euch, bloß nicht mehr gemeinsam.
F